All Right Jerry Queene – G.F. Unger

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All right, Jerry Queene – G.F. Unger

Rezension


Leseversion: G.F. UNGER TB Band 43122
Verlag: Bastei
Veröffentlicht: 1980
Status: Nachdruck
Erstauflage: ZAUBERKREIS TB Band 232 (1974)
Seiten: 155


Autor: G.F. Unger
Realname: Gert Fritz Unger

Galerie Fazit

Veröffentlicht: 19.2.2022

Rezension von Gottfried Marbler

Hintergrund

Ein Western des beliebten Autors, den er 1974 exklusiv für die ZAUBERKEIS TB-Reihe verfasste. Sechs Jahre später wurde dieser Roman in den G.F. UNGER TB (43er Reihe) erneut aufgelegt. Zu der Zeit hatte sich der Autor bereits vom Zauberkreis Verlag getrennt und schrieb bis zu seinem Tod nur noch Romane für den Bastei Verlag.

1974 war die Italowesternzeit bereits im Abklingen begriffen, doch die Heldenlandschaft hatte sich durch sie drastisch verändert. Vorbei war es mit den sauberen, reinen Kämpfern für Recht und Ordnung. Es kamen die negativ belegten Kerle daher wie “der Namenlose”, wie “Django” und Dutzende weitere Kämpfer ohne Gewissensbisse beim Umlegen ihrer Gegner.
Der saubere Western der 1950er-Jahre war dahin, eingegangen in die ewigen Jagdgründe der deutschen Westernliteratur.

Doch halt! G.F. Unger war noch da und blieb dem Gebot der damaligen Zeit insofern treu, dass seine Helden zwar eine meist fragwürdige Vergangenheit aufwiesen, aber sich zumeist selbst läutern konnten. Sein Erfolg hielt dieses Genre weiter am Leben! Ab den 1990er-Jahren wurden viele der alten Westernromane in Autorenreihen neu aufgelegt. Heutzutage wimmelt es durch die E-Books nur so von früheren Schmonzetten auf diesem Markt.
Meines Erachtens hat gerade G.F. Unger einen gewaltigen Anteil daran, weil er seiner Linie im Großen und Ganzen unbeirrt treu blieb. Da und dort Anpassungen an den Zeitgeist, ja, aber nie so weit, dass sein Sujet umgekrempelt wurde.

Gerade in der heutigen Zeit sehnen sich viele Leser wieder nach dem guten, geradlinigen Western, wo der Held ganz klar der Held und der Bandit eben der Bandit ist.

Inhalt

Jerry Queene, der Ich-Erzähler dieses Romans, ist kein Guter. Ein Pferdedieb, der immer mehr spürt, dass er auf die Seite des Guten wechseln muss oder er rutscht tiefer und tiefer auf die andere Seite des schmalen Grates ab, bis er nicht mehr zurückkehren kann. Und sogleich bietet sich ihm die Chance, indem er die faszinierende Stella Rushmore vor dem Banditen-General Bronco Benavente rettet.

Auf ihrer Flucht kommen sie in ein ehemals verlassenes Goldgräberstädtchen, das von ein paar Familien wieder bewohnt wird und in “Lucky Place” umgetauft wurde. Hier kann er Stella vom Doc versorgen lassen, denn sie bekam die Kugel ab, die Benavente Jerry Queene verpassen wollte! Einige Zeit später tauchen vier Kumpane des getöteten Banditenchefs auf, um Jerry Queene zu killen. Das geht gründlich daneben; drei von ihnen bleiben tot liegen. Den vierten Mann lässt er abhauen, was ein Fehler ist. Zuletzt erhält er Hilfe durch den Hotelier, der früher ebenfalls auf rauen Wegen ritt.

Am nächsten Tag setzt dieser im Stadtrat durch, dass Jerry Queene Townmarshal wird. Sie kaufen so seine schnelle Hand und seine Treffsicherheit ein, denn in einer verlassenen Mine wurde viel Gold gefunden, und bald wird ein neuer Goldrausch losbrechen. Ihm bietet sich die Chance, ein seriöses Leben zu beginnen. Nun kommt auch ein Berufsspieler namens Harry Starr nach “Lucky Place”, der dem Marshal einiges Kopfzerbrechen bereitet. Das hat vor allem mit Stella zu tun, die zu Mrs. Stella Queene wird. Ein paar Tage später wird auf Queene ein Attentat mit einer Schrotflinte verübt! Er wird so schwer verwundet, dass er lange Zeit als Gesetzeshüter ausfällt. Und die immer schneller wachsende Stadt wird jetzt von Banditen beherrscht…

Was hat es mit Stella und Harry Starr auf sich? Welche Geheimnisse verbinden diese beiden, von denen keiner etwas weiß? Wer sind die Kerle, die die Gold- oder die zurückkehrenden Geldtransporte überfallen? Wer zieht im Hintergrund die Fäden? Kann Jerry Queene überhaupt noch irgendetwas daran ändern?

GALERIE (2 Bilder)

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Fazit

In diesem überaus spannend verfassten Roman lehnt sich der Autor aus dem “dichterischen” Fenster, indem er seinen Helden auch negativ auftreten lässt. Wie es bei vielen Menschen damals so gewesen sein wird; den reinen und selbstlosen Helden oder Kämpfer für das Gute hat es kaum bis gar nicht gegeben. Dazu war die Zeit nicht reif; die meisten Menschen mussten schauen, wie sie überleben konnten. Blindes Heldentum war fehl am Platz.
Genau in diese Zwickmühle steckt der Autor seinen Jerry Queene immer wieder und lässt ihn darin zappeln. Dieses Element treibt die Spannung stets wieder hoch, sodass kaum Längen entstehen und konsequent die Handlung vorangetrieben wird. Beeindruckend, wie G.F. Unger das in diesem Plot gemacht hat!

Was erneut störend auf mich wirkt, sind die Gedankenstriche – vor allem in den Dialogen. Bei fast jedem Satz ist einer am Beginn vorhanden, sodass das Lesen der Dialoge quälend wird. Musste das denn sein? Wem fiel dies ein? Dem Autor oder dem Lektorat?

Zum Glück wurde das irgendwann eingestellt. Und es gibt diesmal keine Revolverkugel als Abzug, weil der Roman – für mich! – überaus gut, spannend und logisch aufgebaut ist.

Toller Schreibstil, mit ordentlich Dramatik, einem ungewöhnlichen Showdown – ein echter Unger eben.
“All right, Gert Fritz Unger!”
Höchste Leseempfehlung!

Gottfried Marbler, Februar 2022


 Bewertung

10 von 10 Revolverkugeln



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