Die Mustangfalle – Zane Grey

Der Mustangfalle – Zane Grey

Rezension


Leseversion: HEYNE WESTERN TB 2550
Originaltitel: Horse Heaven Hill (1959)
Verlag: Heyne
Übersetzung: Alfred Dunkel
Veröffentlicht: 1980
Status: Dt. Erstauflage
Seiten: 141


Autor: Zane Grey
Realname: Pearl Zane Gray

Galerie Fazit


Veröffentlicht: 10.1.2022

Rezension von Gottfried Marbler

Hintergrund

Mit den Spaniern kamen über Mexiko auch die Pferde nach Amerika zurück. In den Prärien der heutigen USA vermehrten sich die ausgebüxten Tiere prächtig und für die indianischen Präriekulturen wurden sie zum unverzichtbaren Medium der Fortbewegung. Nach der Niederschlagung dieser Indianerstämme und der Verbringung der Überlebenden in Reservationen wurden die wilden Mustangs nicht mehr benötigt, vermehrten sich aber weiterhin rasant. So blieb den Ranchern gar nicht viel anderes übrig, als sie rigoros zu jagen und zu töten. Selbst heute hat sich daran nicht viel geändert…

Inhalt

Die 18-jährige Lark Burrell kommt von Idaho in den Staat Washington zu Verwandten ihres verstorbenen Vaters, der Familie von Abe Wade. Dort hört sie zum ersten Mal davon, dass einer der Cowboys mit Wades Sohn und Clespelem-Indianern eine Mustangfalle errichteten und so 3.000 wilde Pferde einfingen und nach Montana trieben, wo sie in einer Fabrik geschlachtet und zu – Hühnerfutter verarbeitet wurden! Lark ist entsetzt, denn sie liebt diese wilden Mustangs über alles.
Nicht lange danach wird eine neuerliche Mustangfalle für bis zu 5.000 Tiere gebaut. Diesmal besichtigen Lark Burrell, ihre Cousine Marigold Wade und einige andere Damen das ganze Prozedere. Auch Marigolds Verlobter, Stanley Weston, ist mit einigen seiner Cowboys mit auf dem Trip. Aber der junge Rancher ist mehr wegen Lark Burrell dabei, in die er sich insgeheim bis über beide Ohren verliebte. Als sie das grausame Hineintreiben der Mustangs in die riesige Falle beobachten können und sehen, wie etliche Pferde sich selbst aufspießen, die Beine brechen und Ähnliches mehr, da weiß Lark Burrell, dass sie die Pferde in dieser Nacht freilassen wird, denn am nächsten Morgen wäre es zu spät dafür.
Auch Stan Weston ist entsetzt über diese Aktion und beschließt unabhängig von Lark, die Pferde zu befreien. Und so nimmt das Verhängnis seinen unaufhaltsamen Verlauf…


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Fazit

Dies ist mein erster Roman, den ich nun von Zane Grey gelesen habe, obwohl ich dieses Heyne-TB sowie zwei weitere Leihbücher seit Jahrzehnten zu Hause habe. Irgendwie wagte ich mich nie so recht an diesen Autor heran, der bereits 1939 verstorben ist, aber zu seinen Lebzeiten mehr als 90 Romane verfasste.
In einem hatte mein Vorurteil recht: Es geht eigentlich fast nur um das Mädchen Lark Burrell und ihre Empfindungen. Zusätzlich um Marigold Wade und deren flatterhafte Lebenseinstellung. Die titelgebende Mustangfalle ist anfangs nur Staffage, nimmt aber in der zweiten Hälfte ordentlich an Fahrt auf. Der Autor soll ja selber auf einer Ranch gearbeitet haben und dürfte so etwas auch gekannt haben, so plastisch ist alles beschrieben. Beim Lesen bekommt man schon eine Wut auf dieses brutale Vorgehen, aber man folgt dennoch gebannt der spannend geschriebenen Story, womit mein zweites Vorurteil entkräftet wurde: Die Handlung ist gewiss recht altbacken und öde. Mitnichten!
Obwohl sich das Buch anfangs wie ein Liebesroman im Westernambiente liest, ist die Schreibe des Autors durchaus als “modern” anzusehen und reißt einen von Anfang an mit. Nicht umsonst gilt gerade Zane Grey als der erste Westernautor Amerikas und als einer der besten Autoren dieses amerikanischen Heimatromans.

Es kann aber auch daran liegen, dass dieser Roman erstmals 1980 für den Heyne Verlag übersetzt und gedruckt wurde, sodass gewisse altmodische Begriffe und Textstellen möglicherweise entfernt wurden, die den Plot für den heutigen Lesegebrauch unattraktiv gestaltet hätten.
Ich werde mir demnächst eines der Leihbücher vornehmen, die ganz berühmte Titel aufweisen. Dann werde ich es genauer wissen…

Guter Schreibstil, vermischt mit spannender Handlung, gespickt mit zwei Liebesgeschichten, die gar nicht einmal so uninteressant verfasst sind. Der Autor konnte wirklich schreiben, würde ich meinen. Wer auf heutzutage praktizierte Gewalt- und Sexorgien in einem Westernroman verzichten kann, ist hier gut beraten. Die Beschreibung der Gegenden, der Umstände der handelnden Personen und alles Weitere wirkt so plastisch, dass man meint, den wilden Salbei der Prärien des Nordens direkt zu riechen und sich den aufgewirbelten Staub beim Mustangtreiben aus den Augen reiben und sich die Kehle mit einem Whiskey freispülen zu müssen.

Hohe Empfehlung!

Gottfried Marbler, April 2021


 Bewertung

8 von 10 Revolverkugeln



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