Feuer frei auf Tom Buchanan – Jonas Ward

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Feuer frei auf Tom Buchanan – Jonas Ward

Rezension


Leseversion: DIE BESTEN WESTERN TB
Originaltitel: Buchanan’s Revenge (1960)
Verlag: PMS (Verlagsgruppe Pabel-Moewig-Semrau)
Übersetzung: ?
Veröffentlicht: 1985
Status: Nachdruck
Dt. Erstauflage: COLT WESTERN TB – Band 41
Seiten: 160


Autor: Jonas Ward
Realname: William Ard

Galerie Fazit

Veröffentlicht: 30.03.2022

Rezension von Gottfried Marbler

Hintergrund

1956 verfasste William Ard den allerersten Buchanan-Roman, der für amerikanische Verhältnisse dieser Zeit recht hart geschrieben worden sein dürfte: “My Name’s Buchanan” (dt. “Clan der feindlichen Brüder”). Verfilmt wurde dieser Roman 1958 – mit Randolph Scott in der Hauptrolle (“Buchanan Rides Alone”).
Es folgten noch fünf Romane aus seiner Feder, wobei der Autor das sechste Buch “Buchanan on the Prod” (dt. “Buchanans Sieg”) nicht mehr beenden konnte, weil er leider 1960 verstarb. Sein Freund Robert Silverberg – ein bekannter Science-Fiction-Autor – führte ihn zu Ende. Der vorliegende Roman ist der fünfte der Serie.
Weitere 17 Romane erschienen noch bis 1986, dann wurde das Kapitel “Buchanan” zu Grabe getragen. Aber der Mythos des großen, kompromisslosen Satteltramps und Kämpfers gegen Willkür und Despotismus, des oft selbstlosen Helfers der Unterdrückten, hatte den Western befruchtet und ist bis heute nicht daraus verschwunden.

Inhalt

Tom Buchanan und Rig Bogan gründen ein Frachtunternehmen. Das Problem ist nur, dass Rig zuvor wegen Totschlags im Gefängnis von Huntsville saß. Aber sogleich erhalten sie ihren ersten Auftrag von einem reichen Händler namens Magee: Eine große Fuhre Baumwolle nach Matamoros in Mexiko zu liefern. Rig Bogan möchte diese erste Tour alleine machen – und Tom Buchanan lässt sich erweichen. Ein schwerer Fehler, wie sich nach acht Tagen herausstellt, denn Rig kehrt nicht zurück!

So reitet der große Mann los und erfährt im Saloon von Aura am Rio Grande von der jungen Cristy, dass Rig beim Blackjack die Bank sprengte und drei Männern auch noch 600 Dollar abknöpfte. Buchanan findet seinen jungen Partner samt dem Wagen und der Ware in einer Schlucht liegend – mit neun Kugeln im Rücken. Er weiß nun, dass diese Kerle dem Jungen nachritten und ihn ohne eine Chance zu geben hinterrücks abknallten! In Brownsville findet Buchanan heraus, dass die drei Mörder zur Bande von Big Red Leech gehören, die gerade ein großes Betrugsprojekt mit amerikanischer Schmuggelware von texanischen Bankiers vorbei an den mexikanischen Zöllnern vorbereiten.

Doch auch vor vierzig Banditen schreckt der sanft sprechende Riese, der tödlich wie eine Klapperschlange sein kann, nicht zurück. Aber kann er hier etwas ausrichten, denn Leechs Männer sind die Besten der Besten weit und breit! Selbst der mächtige Sheriff von Brownsville ist nicht auf Toms Seite. Alle warnen ihn vor dieser Rache, doch Buchanan geht stur wie ein Maulesel auf sein Ziel los, geschehe da, was geschehen wird!

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Fazit

Es ist wahrlich ein Dilemma, das Serienhelden allesamt haben: Ihre Freunde und Bekannten sterben üblicherweise rasch weg. Da kann der Held noch so ein harter Knochen sein, gegen dieses „Gesetz“ der Serienschreiberei hat er keine Chance. Da wächst der Bub seines alten Freundes mit ihm auf – und peng! – ist er auch schon weggeputzt von dieser Welt. Wie sollte sonst auch die Story funktionieren? Es gäbe ja keine Beweggründe, dass sich Buchanan auf die üblen Kerle stürzen würde, hätten sie nicht …

Davon abgesehen, ist dies hier ein sehr gut verfasster Western. Der Autor konnte wirklich schreiben. Der Plot liest sich locker vom Hocker, weist eine Menge feiner Nuancen auf, die auf einige Lebenserfahrung schließen lassen. Ein Teil des Umgangs seines Helden mit Frauen ist heutzutage nicht mehr gern gesehen, aber Buchanan ist kein richtiger Grobian, sondern auf seine raue Art ein Freund des weiblichen Geschlechts. Die Damen wollen ihn haben, ihm ist jedoch seine Ruhe oftmals lieber, was die holden Maiden meistens kränkt.

Etwas dick aufgetragen empfinde ich die Beschreibungen von Big Red Leech, seiner „Burg“ in Mexiko und den Unmengen an willig sein müssenden Mädchen, Whiskey, Tequila, Fresserei und Gegröle. Es scheint so, dass ein paar Jahre später die italienischen Westernregisseure zumindest diesen Roman gelesen haben, denn vieles davon ist Szenen in so manchem Italowestern mehr als nur ähnlich. Liegt es an der Hitze in Mexiko, dass die Machthaber stets so extrem überreagieren (müssen)?

Wie schon ganz oben erwähnt, dürfte dieser Text für die damalige Zeit recht hart gewesen sein, geht man dazu noch davon aus, dass die deutsche Übersetzung jugendfreier gestaltet werden musste. Da ist es manchmal etwas schade, dass mein Englisch nicht ganz so toll ist, um den Roman im Original zu lesen. Ein Vergleich wäre gewiss sehr interessant. Selbst der Originaltitel ist weitaus stimmiger zu der hier vorliegenden Rachestory als der knallige 1970er Jahre-Titel, der nicht so recht passen will, denn es ist vielmehr Buchanan, der “Feuer frei” auf die Banditen gibt…

Der Autor breitet vor dem Leser eine teils recht lakonisch verfasste Story aus, der man mit echtem Vergnügen folgen kann.

Höchste Empfehlung!

Gottfried Marbler, März 2022


 Bewertung

9 von 10 Revolverkugeln



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