Wolf in der Town – G.F. Unger

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Wolf in der Town – G.F. Unger

Rezension


Leseversion: G.F. Unger TB Band 43308
Verlag: Bastei
Veröffentlicht: 1996
Status: Nachdruck
Erstauflage: LB Mülbüsch (1970)
Nachdruck (u.a.): G.F. UNGER SONDER-EDITION – Band 22
Seiten: 157

Autor: G.F. Unger
Realname: Gert Fritz Unger

Galerie Fazit

Veröffentlicht: 24.08.2022

Rezension von Gottfried Marbler

Hintergrund

Viele Westernautoren haben sich wenig darum gekümmert, dass die Sheriffs in den amerikanischen Territorien und Bundesstaaten auch für das Eintreiben von Steuern zuständig waren. Davon durften sie sich einen genau festgelegten Prozentsatz für ihre Spesen und sonstigen Ausgaben behalten. Der größere Teil wurde auf diese Art und Weise nach Washington transferiert, und die jungen USA kassierten die Gelder wohlwollend ein. Für das trotzdem relativ geringe Gehalt eines Sheriffs brachten diese so oftmals große Summen ein; nicht alle werden der Verlockung des vielen Geldes widerstanden haben…

Inhalt

Jeremy Cass reitet in Rivertown im Pecos-Land ein, auf der Suche nach Chance Ashland, den er umlegen will. Er bemerkt, dass drei Brüder der “Painted Ashlands” (jeder hat eine andere Haarfarbe) in der Stadt strategisch positioniert herumlungern. Tom Ashland wartet vis-à-vis dem Sheriff’s Office – und fordert diesen auf herauszukommen, damit er sich an ihm rächen kann, denn der Sheriff erschoss Chance Ashland. Aber die Revolverhand des Gesetzeshüters wurde von Chance noch getroffen. Damit hat der Sternträger keine Chance, gegen die drei Ashlands zu gewinnen. Cass bemerkt auch, dass kein einziger Bürger bereit ist, dem Sheriff zu helfen, nein, sie warten und lauern darauf, ob er es überleben wird!

Jeremy Cass wird es zu bunt: Er steigt vom Pferd und stellt sich vor Tom Ashland auf, als Ausgleich dafür, dass der Sheriff den von ihm Gejagten von dieser Welt holte. Tom zieht – und ist in der nächsten Sekunde tot! Seine beiden Brüder stürmen heran, und nun kommt der Sheriff mit einer Schrotflinte in den Händen heraus und stellt sich dem Kampf. Er erschießt noch einen der Ashlands. Da gibt Jim Ashland aus Todesangst auf und haut ab.

Kurz danach vereidigt Sheriff Ben Shadwell den jungen Cass als Deputy Sheriff und erklärt ihm, dass sie gleich ein paar böse Burschen einfangen werden, um sie nach Texter östlich des Pecos Rivers nach Texas zu bringen, wo es einen Richter gibt. Das geschieht auch, und sie packen zwei Banditen auf einen Wagen und fahren ab. Ein paar Freunde der beiden wollen sie einholen und befreien, aber Jeremy zeigt am Pecos seine Qualitäten. So schaffen sie die zwei Verbrecher nach Texter, wo sie abgeurteilt werden. Auf der Rückfahrt treibt Shadwell beim größten Rancher des Tales, Richard King, fast 22 000 Dollar an fälligen Steuern ein, die ihm dieser auch übergibt, hofft er doch, später alle eingetriebenen Steuergelder für sich zurückzugewinnen! Im Safe von Cora West, die den Sheriff liebt, wird das Geld gebunkert.

Die beiden Männer greifen hart durch, treiben auch bei den Minenleuten die Steuern ein. Dabei erweist sich, dass Jeremy Cass keine Skrupel hat, sofort zu schießen, bevor es andere schaffen könnten, ihn zu erwischen. Das passt Ben Shadwell nicht ganz, aber der Erfolg gibt Cass recht. Auch Cora West erklärt Ben, dass sie spürt, Jeremy Cass wäre ein zweibeiniger Wolf. Er solle ihm nicht restlos vertrauen, denn im Endeffekt würde er für sich kämpfen! Indes schlagen sechs Rancher Jeremy Cass im Mietstall zusammen, aber diesmal rettet ihn der Sheriff vor dem sicheren Tod. Cora West pflegt ihn wieder gesund. Im Gegenzug rettet er trotz seines lädierten Zustands dem Sheriff erneut das Leben dank seiner Schießkunst, als die Rancher mit ihren Männern den Sheriff erledigen wollen.

Jetzt gehen die beiden rigoros gegen alle vor. Und alle zahlen ihre Steuerschulden brav, jedoch zähneknirschend ein. Bald haben sie über 100 000 Dollar beisammen, und Ben Shadwell beschließt, dieses Geld bei Nacht und Nebel nach Texter zu bringen, denn lange wird Richard King nicht mehr warten wollen. Jeremy Cass ist damit einverstanden, aber der Sheriff hat ein flaues Gefühl im Magen. Wie wird sich der junge Mann ihm gegenüber im Wissen um diese große Summe Geldes verhalten? Auch Cora gibt ihm erneut den Rat, sehr gut auf sich aufzupassen und nicht zu vertrauensselig zu sein. Sie reiten um Mitternacht los. Bald merken sie, dass ihnen Richard King mit seinem Vormann folgt. Am Ostufer des Pecos lauern ebenfalls zwei von Kings Männern auf sie. Cass bewährt sich auch gegen diese zwei Wegelagerer problemlos. Also doch ein unbegründeter Verdacht gegen ihn? Kann Ben Shadwell ihm vollends vertrauen?

Mehr anzeigen... (Achtung-Spoiler!)

Nein, denn bald danach schießt Jeremy Cass den Sheriff nieder. Der bleibt mit einer blutüberströmten Kopfschusswunde liegen. Der zum Banditen Gewordene reitet mit dem Geld davon, so wie er es von Anfang an geplant hatte. Als Richard King und dessen Vormann ihn stellen, besteht er auch gegen sie, wird jedoch mit zwei Kugeln verwundet. Nach ein paar Tagen wieder genesen, steht ihm plötzlich ein Mann gegenüber, mit dem er überhaupt nicht mehr rechnete: Sheriff Ben Shadwell, den er für tot liegen ließ…

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Fazit

Ein großartig verfasster Roman des berühmten Autors, der erneut mit dieser Story zu fesseln vermag. Da von Beginn an die Frage im Raum steht, ob Jeremy Cass ein Wolf in der Town ist, oder ob er nicht doch verkannt wird, sorgt dies allein schon für erhebliche Spannung. Zudem geht es in dieser Story hart und kompromisslos zur Sache, wie es nicht oft bei Unger der Fall ist. Dadurch ist eine permanente Spannung vorhanden, sodass ich den Western vor der letzten Seite gar nicht aus der Hand legen wollte.

Alle wichtigen Figuren sind sehr gut gezeichnet und wirken recht lebendig. Die junge Frau hat eine besondere Rolle: Sie ist gar nicht sosehr in Ben Shadwell verliebt, aber da Jeremy Cass sie immer direkter bedrängt, sich doch für ihn zu entscheiden, verliebt sie sich – in den Sheriff! Das passt dem jungen Mann nicht in den Kram. Somit ist hier ein Dreiecksverhältnis zugange, wie ich es noch in keinem Western las. Der Showdown ist wie sooft kurz, dafür gnadenlos zelebriert. Auch die wechselnden Gefühlsbäder, ob man zu Cass oder zu Shadwell halten soll, beleben diesen Plot sehr.

Ungemein dichter und fesselnder Schreibstil mit großer Intensität den Lesern serviert – und daher die höchste Leseempfehlung von mir!

Gottfried Marbler, August 2022

 Bewertung

10 von 10 Revolverkugeln



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